Die Route der Antarktis-Reise

Vorgeplänkel

Von Berlin aus fliegen wir am 2. Dezember mit einem Stopover in Buenos Aires nach Ushuaia, der südlichsten größeren Stadt der Welt im argentinischen Teil Feuerlands.

Weltkarte - Route Antarktis

Nach einem halben Tag in der Stadt, in der ich vermutlich den Mann zum Essen ins beste Steakhaus der Stadt ausführe (ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch vor zwei Jahren erinnern), erwartet uns unser Schiff am Hafen: Die MS HANSEATIC von Hapag Lloyd Kreuzfahrten. Die HANSEATIC ist nicht irgendein Schiff, sie ist – Achtung, Verwirrungsgefahr – das einzige 5 Sterne Expeditionsschiff der Welt.

Vermutlich wird jetzt verständlich, warum ich dieses Mal nicht wie üblich meinen Rucksack sondern einen Koffer gepackt, weshalb ich meinen Minimalismus kurzzeitig aufgegeben habe und nochmal shoppen gegangen bin: Das Captain’s Dinner verlangt seinen Tribut. Das ist jedoch eine andere Geschichte.

Fast drei Wochen auf See

Karte Antarktis Reise mit dem Schiff - die Route

Falkland-Inseln und Südgeorgien

Von Ushuaia aus geht es am 4. Dezember durch den Beagle Kanal ins offene Meer. Nach eineinhalb Tagen erreichen wir die Falkland-Inseln (Islas Malvinas), autonomes Überseegebiet Großbritanniens, wo immerhin knapp 3.000 Menschen leben.

Anschließend geht es auf ungefähr gleichem Breitengrad nach Südgeorgien, ebenfalls unter britischem Mandat, das allerdings von Argentinien nicht anerkannt wird. Nur 2-4 Bewohner gibt es, die dort ganzjährig leben. Südgeorgien liegt im Gegensatz zu den Falklandinseln südlich der Antarktischen Konvergenz, dem kalten südlichen Zirkumpolarstrom, und gehört damit geografisch zur Antarktis. Südgeorgien ist für mich Neuland und ich bin sehr glücklich darüber, dass hier 2-3 Tage eingeplant sind. Der Flora- und Faunareichtum soll unglaublich sein, tausende Königspinguine bevölkern dort die Küsten.

Antarktis: South Shetlandinseln und das antarktische Festland

Nach einem weiteren Seetag erreichen wir 60° südliche Breite und sind damit auch politisch gesehen in der Antarktis. Ab dem nächsten Tag haben wir die Chance auf erste treibende Eisberge.

Der erste Landgang in der Antarktis wird vermutlich/hoffentlich auf Elephant Island sein, der nördlichsten der Shetlandinseln. Berühmt wurde diese Insel durch Ernest Shackleton, der von hier aus in einem Rettungsboot die 1300 Kilometer bis nach Südgeorgien überwand, um Hilfe für seine im Eis eingeschlossene Mannschaft zu holen. Eine navigatorische Meisterleistung.
Bei meiner ersten Reise verpasste ich diese Anlandung aufgrund starken Sturms und damit die großen Kolonien an See-Elefanten. Das sind die Viecher mit den lustigen Riesen-Nasen. Ich hoffe dieses mal auf eine Chance.

Weiter geht es am Festland Antarcticas entlang mit diversen Anlandungen per Zodiac, zur Paradise Bay und durch den Lemaire Channel. Port Lockroy ist eine ehemalige Forschungsstation und heute ein durch die Briten betriebenes Museum, in dem Postkarten abgeschickt werden können. Ob wir dort landen werden, steht in den Sternen, ich hoffe es allerdings sehr.

Port Lockroy, Antarctic Peninsula

Das Wetter wird vorgeben, wie weit wir jetzt noch in den Süden vordringen können und ob wir eventuell sogar den südlichen Polarkreis überqueren. Es bleibt spannend.

Den Abschluss der Reise, bevor es über die Drake-Passage zurück nach Ushuaia geht, bildet Deception Island, eine Kraterinsel mit aktivem Vulkan. Am Rand des Kratersees treffen deshalb heiße Quellen auf arktische Kälte – ein irres Szenario. Auch diese Insel verpasste ich auf der letzten Reise wegen anhaltenden Sturms; sie wäre eines meiner persönlichen Highlights.

So lautet also der vorläufige Plan, denn nichts ist sicher in der Antarktis.
Schon die Drake-Passage ist berühmt für ihre Stürme und hohen Wellen – 6 Meter hohe Wellen habe ich dort selbst erlebt, 10 Meter sind keine Seltenheit.
Wer diese Passage bucht, sollte seefest sein oder zumindest keine leichte Landpartie erwarten. Das „Expedition“ im Reisenamen, den sich alle dort operierenden Touristenunternehmen angeeignet haben, soll daher auch nicht nur an vergangene waghalsige Forschungs- und Eroberungszüge erinnern und das Abenteuer-Flair beschwören. Der Begriff betont zudem den vorläufigen Charakter der Reiseplanung und soll vor quengelnden und enttäuschten Touristen schützen: Demut vor der Natur ist das Gebot, dem sich alle Schifffahrtspläne beugen müssen.

Nachwort

Ich bin gespannt. Gespannt auf vermeintliche Banalitäten, welche Tiere ich sehen werde. Werde ich zum Beispiel endlich einmal Königspinguine und die witzigen Rockhopper live sehen? Welche Anlandungen klappen werden und ob ich endlich Deception Island zu sehen bekomme. Ich bin gespannt, ob ich auch dieses Mal seefest sein werde, was bisher immer mein Glück war. Welche Geschichten ich finden werde, und vor allem, ob ich die Geduld und die Muße haben werde, sie aufzuschreiben. Ob die Stimmung genauso gelöst und glücklich sein wird wie auf meiner letzten Reise. Und letztendlich bin ich sehr gespannt auf den skurril anmutenden Gegensatz zwischen einem schwimmenden 5 Sterne Hotel und der antarktischen Naturgewalt drum herum.
Wie wird sich die Antarktis anfühlen?

Ich habe mich schweren Herzens dagegen entschieden, anschließend noch in Feuerland zu bleiben, obwohl dieses wunderbare Stückchen Erde schon bei meiner Südamerika-Reise praktisch ausfiel und ich den wunderbaren Nationalpark Tierra del Fuego kaum gesehen und den chilenischen Teil des „richtigen Endes der Welt“ ganz ausfallen lassen musste. Das hat Feuerland für mich die letzten zwei Jahre zu einem Sehnsuchtsziel gemacht.
Der Mann aber muss schnell nach Deutschland zurück, die Kinder wollen Heiligabend gemeinsam feiern und ich bin dieses Mal nicht Willens, die Antarktischen Nachwehen alleine zu überstehen.
Was selbstverständlich dann nur eines heißen kann: Mir bleiben glücklicherweise noch ein paar weitere Wünsche offen.

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Comments 8

  1. Reinhard Walden sen.
    Hallo, Inka und Hauke, danke, Inka für deinen interessanten Bericht, nun wünsche ich auch weiterhin eine schöne Reise und viele wunderbare Eindrücke. Gut, dass du seefest bist! Ich muss aufpassen, dass ich nicht neidisch werde! Ich hoffe, noch viel von dir, liebe Inka, zu lesen.
  2. Liebe Inka, ich werde dich scharf beobachten. Dein Blog macht wirklich Lust auf Eis, statt Palmenstrand. Beste Grüße aus Salzburg, dort kann es mitunter auch eisig sein, Claudia
    • inka
      inka
      Haha Claudia, wenn ich jetzt verrate, dass es im Dezember in Salzburg vermutlich sogar kälter ist als auf der Antarktischen Halbinsel nehme ich den ganzen Zauber, oder? ;) Herzlichen Dank! inka
  3. Wow eine Reise in die Antarktis. Das klingt nach Abenteuer, Kälte und hohen Kosten. Ich würde daher eine Kostenaufstellung cool finden. Dann weiß ich, ob ich es mir leisten kann oder nicht. ;) Ich habe mal gehört, dass es sehr viele Forschungstationen in der Antarktis gibt. Was wird da alles erforscht? Gibt es Pflanzen in der Antarktis, obwohl ich es mir nicht vorstellen kann, höchstens auf den Inseln, die vor der großen Eismasse liegen, oder? Und ich wüsste gern wie viele Touristen so im Schnitt die Antarktis besuchen, gibts da Hotels oder kann man in den Forschungscamps übernachten? Kann man direkt in der Antarktis eine Nacht lang schlafen, also nicht auf dem Schiff, sondern "an Land"? Wie erzeugt man Strom in der Antarktis? Durch Solar? Ich würde mich als leidenschaftliche Postcrosserin sehr über eine Postkarte freuen, denn das beantwortet direkt eine weitere Frage: Wie lange dauert es wohl bis die Postkarte in Deutschland ankommt? Das ist echt ein cooles Gewinnspiel. Ich drück dir die Daumen, dass es eine wunderschöne Reise wird. LG Myriam
    • inka
      inka
      Kostenaufstellung, hm, das kannst Du selbst leicht nachgucken: Die Antarktis gibt es ja nur - bis auf wenige Ausnahmen, die vom Umweltbundesamt genehmigt werden müssen und individuell irre teuer sind - als Komplettreise mit Schiff (oder Schiff und Flugzeug). Die Preise kannst Du entsprechend auf den Veranstalterseiten nachschauen, also in diesem Fall Hapag Lloyd Kreuzfahrten oder Hurtigruten. Es gibt auch günstigere Anbieter, die man spontan in Ushuaia buchen kann und wenn man es ganz geschickt anstellt, heuert man einfach auf einem Schiff an. ;) Also für eine gebuchte Reise zwischen 3.000 und 15.000 Euro, mal grob gesprochen (pro Person, nicht pro Kabine) oder gratis, wenn Du z.B. Skills wie Schiffsservice, Touristenservice, Sprechen verschiedener Sprachen hast. Herzlichen Dank für all die Fragen und Wünsche! :) Einige Antworten gibt es übrigens schon in der Antarktis-Einsteigerkunde Teil I (⇒ http://blickgewinkelt.aq/antarktis-fakten-teil-1/), der zweite folgt bald und beantwortet schon einige weitere. Liebe Grüße /inka
  4. Wow! Was für eine wahnsinnig schöne Reise. Was für eine tolle Route. Darf ich mitkommen? :-D Ich bin schon echt gespannt auf all das was du erleben wirst. Das Thema hat einen eigenen Blog mehr als verdient. Allein die Bilder des Eises. Die faszinieren mich total. Vorfreude...die schönste Freude. Ich wünsche dir noch viel davon. Und wenn du erstmal dort bist: Nicht ganz so hohe Wellen in der Drake Passage. :)
    • inka
      inka
      Liebe Janine, endlich komme ich mal zum Antworte, sorry dafür, mein Kopf ist - wild durcheinander vor lauter Vorbereitungen. :) Herzlichen Dank für die Wünsche. Ja, obwohl ich seefest bin gebe ich zu: 10 Meter hohe Wellen müssen es dann doch nicht sein... Ich bin gespannt! Liebe Grüße /inka

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